Far Cry 4: Ein Reisebericht aus Kyrat (Kapitel I)

Der Himalaya ist das größte Gebirge unserer Erde; Glanzvoll und herrschaftlich erstrecken sich seine schneereichen Gipfel vom indischen Subkontinent im Süden bis hin zum tibetischen Hochland im Norden. Dort, irgendwo zwischen Nepal, Tibet und Bhutan, zwischen Afghanistan, Pakistan und Indien, befindet sich Kyrat. Dieses fiktionale Land, wohlgemerkt, dessen saftig grüne Vegetation, dessen Wälder, Täler und Seen durch die Umrandung der sich im edlen weiß auftürmenden Gebirgskette wie ein Gemälde erscheint, das die Sehnsucht nach Idylle, Ruhe und Eskapismus weckt, soll eben jener Schauplatz meines nächsten Abenteuers, meiner Flucht aus dem Alltagsleben sein.

kyrat

Ajay Ghale ist der Name meines Alter Egos, mit dem ich die nächsten 30 Stunden in Kyrat verbringe; Und dass dieser Ort eine lange Tradition des Verderbens pflegt, dass in diesem Ort das diabolische Dreigespann aus Bürgerkrieg, Blutdiamanten, Drogenschmuggel seit Jahrzehnten neben einem selbsternannten König regiert, was die pittoreske Idylle Kyrats wahrhaftig konterkariert, war mir vor dem Antritt der Reise durchaus bewusst. Ich muss wohl völlig wahnsinnig gewesen sein.

Freitag, 12. Dezember 2014

Ich befinde mich in einem Bus; Seine verrostete Karosserie evoziert Unbehagen und den Wunsch nach dem gewohnt komfortablen Knautsch eines Volkswagen. Überall klappert es, neben mir auf der mit Gaffer geflickten Polsterbank reist ein Affe, und im hinteren Teil des Wagens gackern Hennen inmitten weiterer Reisender, während vom Schnee bekleidete Gräser langsam und ruckelig an den Fenstern vorbeiziehen. Ich halte die Urne meiner Mutter in der Hand. Deshalb bin ich hier: Ich bringe sie zurück nach Lakshmana, bringe sie nach Hause. Plötzlich halten wir. Bewaffnete Männer durchsuchen den Bus mit Metaldektoren; ihre Kalashnikovs klappern derweil friedlos in ihren unruhigen Händen, griff- und abschussbereit. Was ist das, etwa eine Drogenkontrolle?

Dann gerät die Situation außer Kontrolle: Schüsse fallen, die Mündungen der Gewehre richten sich auf uns! ,,Get down!“ hallt es mir entgegen und in gleicher Sekunde wird der Bus von einer Explosion getroffen; Er überschlägt sich und schleudert mich und alle anderen Insassen augenblicklich hinaus auf die Straße. Noch nicht ganz bei Sinnen und sichtbar erschüttert von der just aufgekeimten Kakofonie des Gefechtschaos kann ich dennoch den Helikopter erfassen, der langsam und pompös sein Landegestell auf den von Kugeln und Blut geschundenen Boden setzt.

Ein Mann steigt aus, hält sich die Hände kopfschüttelnd vors Gesicht, sodass ich es zunächst nicht erkenne. Sein Haar jedoch ist golden und sein pink schimmernder Anzug, vermittelt den Eindruck, dieser Typ wäre die Pointe eines schnuddeligen Witzes. Langsam stolziert er zu dem Kerl, der mich mit seiner AK-47 auf dem Boden hält. Er erinnere sich, sagt er gelassen  zu dem Soldaten, deutlich befohlen zu haben, den Bus zu stoppen, nicht zu beschießen.

,,Stop. Shoot. Stop. Shoot. Do those words sound the same?“

Er hasse es, wenn Dinge außer Kontrolle geraten, und so schnell, wie ein Skorpion seine Beute mit dem Giftstachel erlegt, rammt der Goldhaarige dem Soldaten seinen ebenso güldenen Kugelschreiber mitten in die Brust, sodass er (nach drei weiteren blitzschnellen Stößen) umgehend zu Boden fällt, während das Blut den ramponierten Boden und das gepflegte Gesicht des Mörders (er ist Asiate) fontänenartig bespritzt. Er, sichtlich erfreut über meine Anwesenheit, entschuldigt sich für die Unannehmlichkeiten; ,,Pagan Min“ sei sein Name. Ich, immer noch total konsterniert, werde mir nur langsam der Situation bewusst, die wie ein Film vor meinem gelähmten Köper abgelaufen ist. Pagan wolle nur kurz ein Foto von uns beiden machen, er kannte meine Mutter, meinen Vater, sehe ihre Schatten in meinen Augen, ein kurzer Blick in die Kamera, ,,Awesome!“.

Und da stolziert er davon wie ein rastloser Pelikan, stetig bedacht, nicht auf die umherliegenden Leichen zu treten, um sich nicht das teure Schuhwerk zu ruinieren. Der Typ meint das tatsächlich ernst, will mich kennenlernen, mit mir scheinbar gemeinsame Sache machen. Er verabschiedet sich mit einem kumpelhaften Handzeichen und steigt zurück in den edelschwarzen Helikopter, während er, als wäre er eine Ikone, ein Star, von eingängiger Rockmusik begleitet wird. Es ist The Clash’s Hit aus dem Jahre 1981, der Pagans Abgang laut und scheppernd zelebriert, und mich vor die Wahl stellt: ,,Should I Stay or Should I Go?“

Ich entschied mich, zu bleiben.

Sonntag, 14. Dezember 2014

Ich befinde mich jetzt schon einige Stunden in Kyrat und passe mich so langsam an, nachdem ich von einem Mann namens Sabal nach der grellen, überlauten Begrüßung Pagan Mins in Sicherheit gebracht wurde. Er kämpft für den Goldenen Pfad, eine Gruppe von Nationalisten, die sich gegen die royale Armee des herrschenden Königs Pagan auflehnen und für ein freies Kyrat kämpfen.

Ich habe mich gewöhnt an die Bewohner des Dorfes Banapur, die mich so entgegenkommend aufnahmen, aber immer noch mit argwöhnischen Augen mustern; Ich bin vertraut mit der Flora der nahen Umgebung, weiß welche Pflanze Heilkräfte birgt, weiß welches Gras die Sinne betäubt und verborgene Kräfte offenbart; Und ich akzeptiere allmählich das stetige Gefühl, jederzeit von einem Nebelparder oder einem Honigdachs attackiert zu werden.

Hier bin ich also, irgendwo inmitten der größten Gebirgskette unserer Erde, bewaffnet mit einer 9mm-Pistole, einem Messer und einem Jagdbogen; Hier stehe ich nun auf einer Klippe am Rande Banapurs und blicke hinunter auf das weite Tal, auf die grünen, fruchtbaren Baumkronen, auf die staubige Straße, die Wanderer wie Soldaten des Goldenen Pfades hoch zum Dorf führt. In der Ferne erkenne ich Glockentürme, hier und da Rauschwaden von Lagerfeuern, die grau und dunkel den Himmel empor wandern und das sonnenklare Panorama trüben, indem sie besonnen aber eindringlich auf den Fakt hinweisen: Hier, in Kyrat, herrscht Krieg, und ich bin mittendrin.

To be continued…

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7 Gedanken zu “Far Cry 4: Ein Reisebericht aus Kyrat (Kapitel I)

  1. Jacky 27. Januar 2015 / 14:19

    Hallo,

    ich habe deinen Blog gefunden und muss sagen, dass ich mich sehr darüber freue, dass noch mehr Frauen über das Gaming bloggen. Ich wurde gestern für den „Liebster Award“ nominiert. Allerdings leider nicht mit meinem eigenen Gaming Blog. Aus diesem Grund habe ich mich darauf beschränkt hauptsächlich Leute zu nominieren, die auch in diesem Bereich bloggen. Da viel unter anderem die Wahl auch auf dich.

    Ich hoffe, dass du Lust hast teilzunehmen.

    Die Regeln findest du hier:

    https://kochenwieich.wordpress.com/2015/01/27/nominierung-fur-den-liebsten-award/

    Gruß Jacky

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    • lindalomaniac 27. Januar 2015 / 22:02

      Hallihallo, ja supercool! Danke für die Nominierung, da mache ich natürlich mit 😉
      Ja stimmt, ich habe auch Probleme gleichgesinnte Videospiel-Bloggerinnen zu finden. Wie lautet der Name deines Gaming-Blogs? Dann schaue ich da gerne mal rein.

      Liebe Grüße, Linda

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  2. Renegade 28. Januar 2015 / 18:55

    Ziemlich spannend das alles durchzulesen! 🙂 Freue mich schon auf das nächste Kapitel! 😀

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  3. Danosch 10. Februar 2015 / 13:05

    Hey Linda,

    habe Far Cry noch gar nicht angezockt und werde wohl vorerst auch nicht dazukommen, allerdings konnte ich mir gerade dank deines tollen Berichts ein wenig die Zeit im Zug vertreiben.

    Vielen Dank dafür schon mal 🙂

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