Spiele, die ich nie beendet habe (Teil 2)

Jemand, der von sich behauptet, er verbringe gern und häufig seine kostbare Lebenszeit mit Videospielen, der bewahrt mindestens zwei verächtliche Spielstapel in der hintersten Ecke seines Regals auf: Den ,,Pile of Shame“, ein stinkender Haufen voller (meist günstig) erstandener, noch ungespielter Spiele und den ,,Pile of Termination“, ein noch übel riechender Haufen voller Spiele, die angefangen aber nicht beendet wurden. Auch in dem zweiten Teil dieser Rubrik geht es um den ,,Pile of Termination“. Auch heute wird wieder ein Spiel unter die Lupe genommen, dessen Credits ich niemals zu Gesicht bekam, dessen letzte Minuten und Showdowns ich niemals erlebte und dessen Endgegner ich niemals gegenüberstand:

Darksiders

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Spielzeit:

circa 15 Stunden

Woran es gelegen hat:

Der Geschmack von Sushi, der Geschmack eines auf der ganzen Welt geliebten japanischen Originals, begleitet mich auch Stunden nach dem genussvollen Verzehr ins Bett, wacht zusammen mit mir auf und lässt mich von nächsten sinnlichen Momenten träumen. Hoso-Maki, Sashimi, Nigiri – Sie alle sind in ihrer Art verschieden, ergeben sich aber im Zusammenspiel zu einem wohlwollenden Geschmackserlebnis, das mich in seiner Gänze verzaubert hat.

Argwohn und Skepsis einer neuartigen Speise gegenüber sind eine natürliche Reaktion des Menschen. Wir essen, was wir gewohnt sind. Wir essen, was auch allen anderen schmeckt. Stehen wir vor etwas Unbekanntem, lehnen wir es meist im Vorhinein ab. Sind wir mutig und kosten ein Stück, können wir entweder in den Himmel der sieben Kostbarkeiten gehoben werden, oder kotzen in die nächstgelegene Tonne. Ich bin das Risiko eingegangen und habe die exotische Kombination aus Algen, rohem Fisch, Avocado und Reis probiert und war begeistert, bin gar um eine Lebenserfahrung reicher geworden.

Das Action-Adventure Darksiders, im Januar 2010 erschienen, hatte ich schon lange im Blick. Eine Mixtur aus God of War und The Legend of Zelda, oder: ein ,,Zelda für Erwachsene“ – so wird das Spielprinzip auch dem skeptischen Videospielnarren schmackhaft gemacht.

Argwohn und Skepsis eines Videospiels gegenüber, welches sich als neues Franchise auf dem Markt zu etablieren versucht, sind natürliche Reaktionen eines Spielefans. Wir können den Neuling ignorieren und weiter an altbekannten Marken festhalten. Doch so entgeht uns vielleicht eine wunderbare, neuartige Spielerfahrung. Ich bin das Risiko nach langem Zögern eingegangen und … nun, zumindest wollte Darksiders nicht in die nächstgelegene Tonne werfen. Nicht Wut und Entrüstung über verbockte Spielmechaniken trieben mich dazu, das Spiel mit dem Krieg abzubrechen. Vielmehr löste sich die Lust am Spiel nach und nach schleichend auf.

Das, was Darksiders machen will, macht es gut: Die Waffen-Varietät eröffnet eine große Vielzahl an Combos, was das Kampfsystem mit der nötigen Komplexität ausstattet; Der Comic-eske Grafikstil schmeichelt dem Auge, die Sprecherstimmen würzen das Erlebnis mit einer Brise Coolness und die Bosskämpfe sorgen für jene Herausforderung, die das adrenalinverwöhnte Spielerherz zum Weiterschlagen benötigt.

Nach langer Phase des Hungerns sind die ersten Bissen in eine Speise doch immer die besten: Dies alles bereitete mir große Freude – anfänglich. Denn diese Freude verebbte allmählich, je länger ich ins Spielgeschehen eintauchte und je weiter ich mich in der Welt von Darksiders fortbewegte. Dieses Spiel wiederholt sich, es überrascht nicht: Mich plagen immergleiche Schalterrätsel; Das Kämpfen nutzt sich ab und verkommt zum stumpfen Knopfgehaue. Dieses Spiel, was ein ,,Zelda für Erwachsene“ sein will, ist nichts anderes als ein Allerlei, ein Potpourri aus bereits bekannten Spielelementen: Kampfsystem, Boss-Mechaniken, Rätsel und Dungeons – das alles haben wir bereits gesehen; Das alles haben unsere Geschmacksknospen irgendwo schon einmal kennengelernt. Was fehlt, ist die Originalität. Es fehlt das Eigentümliche, das besondere Etwas, das einem Spiel jene Resonanz verleiht, die es Jahre später zur Ikone aufsteigen lässt.

Gut geschmeckt hatte das Potpourri. Doch es konnte nicht den Nachklang eines ersten Bissen in eine Sushi-Rolle auslösen. Dieses Potpourri kitzelte lediglich am Gaumen; es befriedigte den Hunger nach dem bereits Erlebten. Doch es fehlt an Originalität und Fantasie, um mir eine neue Spiel- und Lebenserfahrung zu bescheren, wie es jene unverkennbare östliche Speise tut. Somit ist Darksiders nur etwas für den kleinen Hunger. Dieses Spiel ist eine reine Bedürfnisbefriedigung, die den hungrigen Fan des japanischen Originals über die lange Wartezeit bis hin zur nächsten Geschmacksoffenbarung geleitet. Ich hatte den immer gleichen faden Geschmack eines Darksiders irgendwann satt. Hirn und Magen waren bedient und ermüdet, was mich dazu trieb, das Essbesteck letztendlich beiseite zu legen.

Zweiter Anlauf?

Es gibt einige Dinge, die ein Videospiel-Fan niemals tun sollte:

  • u.a. das Spiel ausschalten ohne zu speichern (schon gar nicht bei Animal Crossing),
  • Zwischensequenzen skippen (schon gar nicht bei Metal Gear Solid)
  • Ein Spiel abbrechen, während man sich gerade in einem Dungeon befindet (schon gar nicht bei Darksiders).

,,Dunkler Thron“ – so lautet der Name der letzten Hürde, die es in Darksiders zu bewältigen gillt, bevor sich der Spieler den Endbossen ,,Straga“ und ,,Abbadon“ stellt. Tja, leider habe ich letztere der drei hier aufgeführten Dummheiten begangen und hänge nun mitten im ,,Dunklen Thron“ fest: ,,Welche Ausrüstung brauche ich hier? Welche Ausrüstung habe ich überhaupt und wie benutze ich diese? Und verdammt, wo bin ich und wenn ja, wie viele?“

Chaos, Verwirrung und Desorientierung sind die Folgen meiner nunmehr sechs Monate andauernden Darksiders-Abstinenz. Die Aussicht einer Re-Orientierung hängt nun ganz allein von meinem Durchhaltevermögen ab: Versinke ich im Strudel der Unlust und des Chaos oder kann ich mich aufraffen und den letzten, noch kurzen Weg zu Ende bestreiten? Die Lust, es noch einmal zu versuchen besteht auf jeden Fall, zumal mir die Bosskämpfe in Darksiders den meisten Spaß bereiteten. Es wäre ein Jammer, wenn ich den letzten Showdown niemals erleben würde.

Also, Abbadon ICH KOMME!!! (…sobald ich diese Mechanik mit dem Lichstrahl hier ausgetüftelt habe…warte, gib mir maximal zwei Stunden…).

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